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Auf einen Blick

Mit den Tischmanieren geht's bergab

30.09.2015
Frauen sind für das Abwaschen zuständig, am Land wird am Abend gejausnet und Tischmanieren sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren: Eine höchst ernsthaft angelegte Studie, die IKEA in Auftrag gegeben hat, zeichnet ein erhellendes Bild von den Essensgewohnheiten der Österreicher.

Das Marktforschungsunternehmen Marketagent.com hat im Auftrag von IKEA 1.500 Menschen zwischen 14 und 69 Jahren in ganz Österreich befragt. Das Ziel: herauszufinden, wie die Österreicher kochen und essen, mit wem und wann, und was sich im Vergleich zu früher geändert hat. 

Aufgegessen wird, was auf den Tisch kommt                  

Messer abschlecken, schlürfen, schmatzen, mit dem Sessel schaukeln, rülpsen, mit vollem Mund reden, und, und, und…  alles, was man bei Tisch nicht darf. Auch die eiserne Regel „gegessen wird, was auf den Tisch kommt“ gehört dazu. Man hält es kaum für möglich: Immer noch 6,4 % der Österreicher fordern die Einhaltung dieser doch etwas antiquiert klingenden Regel.

Aber irgendwie scheint es, so hat die Studie herausgefunden, mit den Tischmanieren der Österreicher bergab zu gehen. Was früher für fast zwei Drittel oder zumindest mehr als die Hälfte der Leute selbstverständlich war, ist es heute schon längst nicht mehr: „Man spielt nicht mit dem Essen“, seinerzeit für 66,7 % eine goldene Regel, zählt heute nur mehr für 44,3 %. „Mit vollem Munde spricht man nicht“ halten nur mehr knapp 36 % (gegenüber 63 %) für wichtig, und selbst am Schmatzen und Schlürfen stoßen sich nur mehr 44 % (im Vergleich zu 57,7 %). Dass man mit den Fingern nicht isst, weiß nur mehr ein Fünftel der Österreicher (gegenüber 45 %).

Auch sonst hapert es mit der Höflichkeit im Vergleich zu früher gewaltig: Dass Arme und Ellbogen am Tisch nichts verloren haben, kratzt heute nur mehr 13 % (früher fanden das 33,5 %). Und dass erst aufgestanden wird, wenn alle mit dem Essen fertig sind (früher eine goldene Regel für immerhin knapp 41 %) ist heute nur mehr für weniger als ein Fünftel relevant.

Am Land wird gejausnet             

Dabei ist es völlig unerheblich, um welche Art von Essen es sich handelt. Das ändert sich übrigens kaum – zumindest nicht, was die Essenszeiten und die Vorlieben beim Abendessen anbelangt.

Letzteres ist speziell am Land eindeutig. Dort wird gejausnet – und zwar um sechs, oder sogar vorher (Abendessen bis 18 Uhr: 36 % versus 21,1 % in Wien). Vor allem die Oberösterreicher haben es mit dem Nachtmahl besonders eilig: Mehr als 40 % der dortigen Befragten tafeln vor
18 Uhr. Übrigens lieben auch die älteren Befragten ihre kalte Jause (6 von 10 der über 60-jährigen).

Nach 19 Uhr isst man nur mehr in einem Fünftel der Landgemeinden. In Wien geht es da erst so richtig los mit dem Essen: 39,1 % fangen dann erst mit dem Abendessen an. Im Vergleich zu „früher“ hat sich an den Essenszeiten aber einiges geändert. Denn während jetzt 68,5 % sagen, dass sie dann Abend essen, wenn sich Hunger einstellt oder wenn alle daheim sind, gab es früher fixe Essenszeiten für knapp 60 %.

Brot, Aufschnitt und Käse sind Topfavoriten für ein klassisches, österreichisches Abendessen. In Kleinstädten und Landgemeinden jausnen mehr als 60 %, während in Wien die Jause mit nur
46,7 % nicht ganz so populär ist. Wenn nicht gejausnet wird, wird gekocht (mehr als die Hälfte) oder aufgewärmt (ein Viertel). Lieferservice oder Fast Food interessierenhingegen nur wenige (unter 10 %). Es gehen auch nur knapp 4 % unter der Woche in ein Restaurant essen – obwohl sich 11,3 % der Befragten genau das wünschen.

Mittagessen daheim ist hoch im Kurs            

Der Hektik des Alltags zum Trotz: Das Mittagessen bleibt die Hauptmahlzeit. Immerhin für ca. die Hälfte der Österreicher ist es unter der Woche die Hauptmahlzeit. Am Wochenende sogar für fast drei Viertel aller Befragten – dann schrumpft die Zahl derer, die erst am Abend essen, von 37 % unter der Woche auf nur mehr 15,2 %. Wobei es hier zwei Ausreißer in der Statistik gibt, denn für die Salzburger und die Wiener ist wochentags mehrheitlich das Abendessen die Hauptmahlzeit.

Zwischenmahlzeiten oder Snacks spielen so gut wie gar keine Rolle, aber auch das viel gepriesene Frühstück, mit dem doch erst der Tag so richtig anfangen sollte, liegt im Ranking beim Thema „Hauptmahlzeit“ weit abgeschlagen hinten – selbst am Wochenende.

Auch interessant: Trotz oft längerer Wege wird am Land selbst unter der Woche immer noch am liebsten daheim zu Mittag gegessen. Deutlich mehr als die Hälfte haben diese Gelegenheit, in Kärnten sogar fast zwei Drittel (63,2 %). In Wien hingegen sind es nur 38,2 %.

Am Wochenende geht es beschaulich zu: Kaum jemand geht zum Mittagessen aus. 83 % der Österreicher essen am Wochenende zu Mittag daheim. Und weil es den meisten Österreichern (86,3 %) eher wichtig ist, gemeinsam zu essen, bemühen sie sich auch darum. Unter der Woche ist dies allerdings bei 17,4 % nicht möglich, bei einem Drittel (33,8 %) wird dafür sogar an allen fünf Tagen gemeinsam gegessen. Am Wochenende schaffen es fast alle zumindest an einem Tag gemeinsam zu essen (95,6 %). Nur die ganz Jungen legen wenig Wert darauf, dass gemeinsam gegessen wird. 

Italien schlägt Österreich            

So traditionell es bei den Essenszeiten zugeht, so sehr geht es den Klassikern der österreichischen Küche – zumindest unter der Woche – an den Kragen. Denn abgesehen vom Schnitzel kommt kaum mehr etwas Althergebrachtes auf den Tisch. Nudeln im Allgemeinen, Spaghetti, Fisch (mit Gemüse oder Kartoffeln), Suppen, Geflügel und Palatschinken und Fleischgerichte aller Art sind die Spitzenreiter in der Hitparade der regelmäßig gekochten Gerichte. Erdäpfelgerichte, Reisfleisch, Schinkenfleckerl, Spinat, Backhendl und Faschierte Laibchen rangieren abgeschlagen am Ende.

Frauen kochen mehr, Männer zelebrieren       

Selber kochen liegt im Trend. Vor allem bei Frauen, denn sie sind es, die am häufigsten kochen (92,1 % mindestens einmal pro Woche; im Vergleich zu den Männern: 62,5 %). Vier von zehn experimentieren gern und probieren häufig neue Gerichte aus – Frauen deutlich mehr als Männer. Ein Viertel der Männer und mehr als zwei Fünftel der Frauen kochen, um ihre Lieben zu versorgen.

Mehr als 27 % der Jugendlichen finden, dass sie beim Kochen so richtig kreativ sein können. Und Männer sind beim Kochen deutlich ehrgeiziger als Frauen. Alles in allem kocht ein Drittel der Österreicher richtig gern! Frauen (29,9 %) weniger als Männer (35,1 %).

Vielleicht liegt letzteres aber auch daran, dass zwar in der Befragung die meisten angeben, nach dem Kochen selbst den Geschirrspüler einzuräumen oder die Küche aufzuräumen. Statistisch gesehen übernehmen Frauen die „Dreckarbeit“ aber deutlich öfter als Männer (drei Viertel der Frauen versus die Hälfte der Männer sagen, sie tun es beim Mittagessen, 73 % der Frauen versus 56 % der Männer beim Abendessen).

Gäste sind (selten) willkommen           

Nur vier von zehn Österreichern laden zumindest einmal im Monat Gäste zum Essen nach Hause ein. Immerhin noch drei von zehn alle zwei bis sechs Monate. Ganze 7 % laden überhaupt nie jemanden ein. Wenn aber eingeladen wird, dann werden die Gäste mehrheitlich (aufwändig) bekocht.

„Open house“ scheint hierzulande eher ungewöhnlich bis unerwünscht, denn nur ganz selten kommen Gäste unangemeldet und bleiben dann zum Essen. Bei fast einem Drittel kommt das gar nie vor. Am häufigsten sind Haushalte mit Kindern oder Wohngemeinschaften mit unverhofften Besuchern und zusätzlichen Essern konfrontiert.

Am liebsten zum Kaffee

Wenn schon einladen, dann zu Kaffee und Kuchen – fast so wie in alten Zeiten. Einmal im Monat oder öfter gibt es bei 47 % der Befragten eine Einladung zu Kaffee und Kuchen bzw. zu Drinks und Snacks (noch einmal fast 40 %). Im Vergleich zu den Kindheitserinnerungen hat sich daran kaum etwas verändert. Nur Einladungen zur Jause kamen damals deutlich öfter vor (knapp 36 %).  



Ulrich Taller
PRofessional PR

IKEA Austria GmbH
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